
Geschichte des Musikvereins Perl
140 Jahre Musikverein Perl
Ein Rückblick von Albrecht Gelz, OberperlNach etwa l00jähriger Herrschaft des Erzbischofs und Kurfürsten von Trier über das "reichsunmittelbare Domkapitel Perl" war der Ort 1815 zum Königreich Preußen gekommen, nach einem siebzehnjährigen Intermezzo der Franzosen, die auch eine totale Veränderung der sozialen Strukturen herbeigeführt hatten. Der Wiener Kongress hatte Europa neu aufgeteilt und Preußen, unter anderem die von Napoleon säkularisierten Rheinlande, Mainz, Köln und Trier zugeteilt. Die Festung Luxemburg, als Eckpfeiler gegen den Westen, musste 50 Jahre eine preußische Garnison erdulden.
Zur "Verpreußischung" der Bevölkerung von Perl gehörte im Jahre 1865 auch eine große landwirtschaftliche Ausstellung des "Landwirtschaftlichen Vereines für Rheinpreußen" im Hofgut und Park von Nell in Perl. Kommerzienrat Christoph von Nell war nach dem preußischen Dreiklassenwahlrecht in den Landtag nach Berlin gewählt und kurz zuvor von König Wilhelm I. (dem späteren Kaiser) geadelt worden. Sein Sohn auf dem Perler Hofgut hatte die Ausstellung organisiert, um den "Neuen Preußen" modernen Ackerbau und Viehzucht zu lehren.
Der Musikverein Perl 1954
1867 war es dann soweit: Die erste "Perler Musikkapelle" mit etwa sechzehn Musikern hatte Auftritt. Es war dies noch kein Verein in heutigem Sinne (mit Präsident und Vorstand), aber eine Kapelle, die nicht nur in Tanzsälen, sondern auch im Marsch und zu öffentlichen Anlässen aufspielte, zum Beispiel zu Kaisers Geburtstag usw. Durch den Krieg 1870/1871 unterbrochen - einige Musiker kamen nicht mehr zurück - spielte die Kapelle unter einem Dirigenten aus Remich (Luxemburg). 1908 führte Herr Marx, ein pensionierter Militärmusiker von den Dragonern in Metz, der in Perl wohnte, den Dirigentenstab über eine ca. 20-Mann-Kapelle. 1913 wurde der Verein neu organisiert und mit neuen Instrumenten ausgestattet, dazu wählte er sich einen Präsidenten und Geschäftsführer. Präsident wurde Matthias Blick, Gastwirt in Perl; Geschäftsführer Matthias Pauly, Kohlenhändler, Maimühle. Von Matthias Pauly, selbst Musiker, wurden die neuen Instrumente finanziert und beschafft, sodass nun eine circa fünfundzwanzig Mann starke Kapelle aufspielte. Ebenfalls im Jahre 1913 gründete der Musikverein als Ableger den Karnevalsverein "Dekken Thommes", dessen Präsident ebenfalls Matthias Blick war. Dieser Karnelvalsverein war bis 1933 aktiv. Er wurde erst wieder 1950 von Ernst Hein, Franz Hubert und Jakob Maringer ins Leben gerufen und später von Franz-Josef Petry fortgesetzt.
Für Tanzveranstaltungen teilte sich der Verein, je nach Bedarf, in mehrere Tanzkapellen auf. Bekannt und beliebt war die Kapelle "Groß" mit Adolf Groß, August Groß, Fritz Faber und Johann Meuer. Ende 1913 übernahm Johann Meuer den Musikverein als Dirigent und wieder 1919 nach dem 1. Weltkrieg. Präsident wurde 1919 Fritz Mörle (Kalk- und Gipsbrennerei Perl), Schriftführer: Fritz Mersch (Amtsinspektor), Kassierer: Joh. Peter Kiefer (Fleischbeschauer). Johann Meuer dirigierte die Kapelle von bereits 27 Mann. Diese Kapelle besaß bereits Uniformen und einen Fanfarenzug, die Fahnen wurden von der Wirtin Dora Greiveldinger gestickt und gestiftet. So lobte das Saarburger Kreisblatt den Musikverein Perl 1920 nach dem Kreis-Musik-Verbandsfest als die "Perle des Musikverbandes".
Aber wie bei allen Vereinen ging es mal auf, mal ab und es wechselten die Verantwortlichen:
| 1922 | wurde Herr Reimann (vom Amtsgericht Perl) Präsident und Adolf Groß Dirigent. |
| 1929 | war Jakob Winthausen, Pastor, Präsident des Vereins und Herr Zimmermann Dirigent (Postbeamter). |
| 1932 | wurde Herr von der Osten Dirigent (Polizeibeamter). |
| 1936 | wurde Matthias Pauly wieder Präsident und Herr Reinecke Dirigent, den |
| 1937 | Matthias Engel (Zuckerknupp Perl) ablöste. |
Der zweite Weltkrieg hatte den Verein auseinander gerissen und viele Opfer gefordert. Auch viele Musikkameraden waren darunter: der Dirigent Matthias Engel die Musiker Peter Engel Willi Heich, Peter Sieren, Johann Sieren, Franz Witzmann, Eduard Schill und andere. Ein ehrendes Andenken ist ihnen gewiss.
Nach dieser Katastrophe - zweimal war die gesamte Perler Bevölkerung evakuiert worden - und vier Jahren Nachkriegszeit war kein Instrument und nicht ein einziges Notenblatt wiederzufinden. Trotzdem kam es zur Wiedergründung. Ernst Hein (der Vater unseres Ehrenpräsidenten Gerhard Hein) kaufte beim Musikverein Sierck gebrauchte Instrumente, die über Stiftungen, Spenden und Haussammlungen finanziert wurden. Und im April 1949 waren wieder 15 Musiker zur ersten Musikprobe im Saal Herber erschienen. Mit dem neuen Präsidenten Bernhard Braunshausen (Adlereck) und dem Dirigenten Johann-Peter Kiefer ging es wieder aufwärts. 1953 übernahm Ernst Hammes die Präsidentschaft und Franz Hubert den Vorsitz. Nun hatte der Dirigent Peter Trierweiler wieder 30 Musiker.
Die nachfolgenden Präsidenten und Dirigenten waren:
| Jahr | 1. Vorsitzender | 2. Vorsitzender | Dirigent |
|---|---|---|---|
| 1958 | Ernst Hammes | Nikolaus Britzen | Bruno Lerbs |
| 1960 | Ernst Hammes | Nikolaus Britzen | Franz-Josef Witzmann |
| 1962 | Ernst Hammes | Viktor Sinnwell | Peter Trierweiler |
| 1965 | Ernst Hammes | Albrecht Gelz | Peter Trierweiler |
| 1966 | Ernst Hammes | Adam Hassemer | Peter Trierweiler |
Hunderte von Namen müsste man nennen, wollte man alle Musiker dieses Vereines aufzählen, die ihre Freizeit opfern und finanzielle Belastungen auf sich nahmen und nehmen (Instrumente sind teuer), um sich und ihren Zuhörern Freude und Erbauung durch Musik zu bringen. Im Durchschnitt 30 Auftritte pro Jahr für kirchliche und weltliche Veranstaltungen werden erbracht, ohne die zugehörigen Proben und ohne die selbst organisierten Veranstaltungen zur Finanzierung der Ausgaben des Vereins zu zählen. Instrumente, Noten, Uniformen, Dirigent, Jugendausbildung und Fahrten zu Nachbarvereinen erfordern einen hohen Finanzaufwand, der im Wesentlichen selbst erarbeitet wird. Natürlich helfen auch die Mitgliedsbeiträge inaktiver Mitglieder und Zuwendungen der Gemeinde sowie Spenden, für die wir sehr dankbar sind. Aber sie reichen bei weitem nicht.
Selbstlos und ehrenamtlich begleiten die Vereinsmusiker das gesamte kirchliche und kulturelle Geschehen in Perl. Für den sich entwickelnden Fremdenverkehr ist der Verein unentbehrlich. Denn: Was wäre ein Fest ohne Musik? - Nichts. Allen lebenden und nicht mehr unter uns weilenden Musikern und Förderern des Musikvereins 1867 Perl sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt für ihren Einsatz. Durch seine Musik in 140jähriger Tradition ist dieser Verein ein lebendes Kulturdenkmal der Gemeinde Perl.
